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Der Baum an der Ecke fast zwei Wochen bin ich jetzt da und ich muss sagen, hier gehen die Uhren definitiv anders! Die Gegend hier ist ja nicht unbedingt der Vorzeigedistrikt von Kapstadt und das gleiche gilt für die Leute, die hier "wohnen". An der Ecke sind Homeless-People, die vom Müll anderer leben. Genau deswegen sind sie auch dort an der Ecke, weil es da eine Mülldeponie gibt, die zwar streng bewacht ist, aber hin und wieder wird einer von ihnen reingelassen, damit er was Verwertbares nehmen kann. Da gab es auch einen Baum, den Du noch im Bild auf der rechten Seite sehen kannst. Dieser Baum spendete den Homeless Schatten, wäre aber uns im Weg gewesen beim Abtransport des Bootes, weils sich der Transporter von links kommend in diese Straße hineindrehen wird müssen. Jetzt war die Überlegung den Baum zu fällen, weil weg muss er auf alle Fälle! Das ist aber nicht ganz so einfach, weil es auch in Afrika nicht erlaubt ist, einfach einen Baum zu fällen.
Das Kuriose daran ist aber der Umgang der Behörden mit solchen Sachen. Als Lee mitten im Sägen war, fuhr die Polizei langsam vorbei, dreht um und kam zurück. Ich dachte mir schon, dass es da troubles geben wird, aber die Polizei fuhr einfach weiter! (Ein Weißer hat gearbeitet, also ist alles bestens!). Danach kam dann doch noch ein weißer Polizist und fragte Lee was er da mache und warum er das tue. Lee erklärte ihm, dass der Baum die Sicht verstellt, wenn man aus der Deponie rausfährt und dass es deswegen gefährlich sei, für die Leute die dort arbeiten. Eine glatte Lüge, die anstandslos "geschluckt" wurde. Das ist der amüsante Teil an Südafrika, weniger lustig ist die Tatsache, wo wir da täglich vorbeifahren. Auch beim Fotografieren bin ich mir ziemlich fehl am Platz vorgekommen, aber was könnte ich ändern? Dieses Gefühl mitzubekommen, wie die leben, wie es in Teilen Kapstadts (Kapstadt ist sehr reich und hat wenig Kriminalität) aussehen kann, ist beklemmend. Was wäre gewesen, wenn einer den anderen wegen 200 Rand umbringt? ...wegen uns! Natürlich ist man dafür nicht verantwortlich, dennoch wäre das nicht auszumalen gewesen, wie man sich dabei fühlt. Sehr weit hergeholt ist das nämlich nicht, denn den Bruder eines Werftarbeiters haben sie vor ein paar Wochen umgebracht (und dort an der Ecke ist vor einigen Wochen jemand erschossen worden!). Ich denke, die fackeln da nicht lange rum. Günther Walraffs Buch "ganz unten" hat den falschen Titel. Ich weiß jetzt, dass es noch viel weiter runter geht, weil ich da hin geschaut habe und soviel Glück habe (wie wir alle), dass ich da wieder weg komme, bzw. gar nicht richtig dort gewesen bin. I got just a glimpse of it - und das reicht! |
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